Wie alles begann...

 

Im Jahre 2012, nach dem Staatsexamen meines Schulmusikstudiums an der Hochschule für Musik Detmold, war ich zum ersten Mal in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, um am Goethe-Institut ein 5-monatiges Praktikum zu absolvieren.

Nach meinem Referendariat 2015 zog es mich wieder nach Ouagadougou. Dieses Mal arbeitete ich für ein paar Monate als Lehrerin an einer Grundschule. Eher zufällig hatte ich eines Tages meine Geige mit in der Schule und spielte den Kindern etwas vor. Die Begeisterung der Kinder für die Musik und vor allem für die Geige war immens. Aus der Not heraus habe ich also alle 400 Kinder dieser Grundschule nacheinander auf einer einzigen Geige spielen lassen – meine Geige, die mich seit meinem ersten Aufenthalt in Ouagadougou immer wieder nach Westafrika begleitet.

Jedes Kind durfte für 10 Minuten auf ihr spielen. Und genau in dieser Zeit ist eine Projektidee in mir gewachsen:

 

Eine Musikschule für die Kinder in Ouagadougou, um es nicht bei diesen 10 Minuten belassen zu müssen, sondern um jedem Kind einen Zugang zur Musik ermöglichen zu können.

 

Nach anderthalb Jahren, die ich mit vielen Planungen, Gesprächen, der Suche nach Sponsoren, Höhen und Tiefen, der Gründung des Fördervereins der Musikschule Ouagadougou A.M.E.M. e.V., Instrumenten-Bestellungen, bürokratischen Hürden und vielem mehr in Deutschland verbrachte, war es dann im September 2017 endlich soweit und ich konnte mit finanzieller Unterstützung des Rotary Clubs Detmold (Distrikt 1900) und zwei riesigen Kisten voller Geigen, Ukulelen,

Blockflöten, Boomwhackern, Noten und Zubehör nach Ouagadougou fliegen. Mein Traum wurde nun Wirklichkeit:

 

Eine Musikschule für Ouagadougou, meiner zweiten Heimat. 

 

Bedingt durch die afrikanische Langsamkeit habe ich viel Zeit und noch mehr Geduld investiert, um zusammen mit meinen Freunden einen Verein zu gründen: Association Musicale pour les Enfants du Monde – A.M.E.M.

In einem kleinen Stadtteil im Osten des Stadtzentrums von Ouagadougou ließ ich mich in einem kleinen Gebäude nieder, um dort die Musikschule aufzubauen: mit zwei großen Unterrichtsräumen und einem kleinen Zimmer für mich.

Seitdem kommen dreimal die Woche Kinder und Jugendliche zu uns, um ein Musikinstrument zu erlernen – unsere Schüler*innen aus ärmeren Verhältnissen erhalten den Unterricht kostenlos.

 

Mittlerweile sind wir in ein neues, größeres Gebäude umgezogen, um den wachsenden Schülerzahlen gerecht zu werden.

Das Besondere an unserer Musikschule ist, dass Instrumente aus verschiedenen Kulturen aufeinandertreffen: zum Einen natürlich die Geige, zum Anderen aber auch traditionelle afrikanische Instrumente wie Kora, Ruudga, Djembé und Callebasse; und daneben Klavier, Cello, Blockflöte, Gitarre und Ukulele.

 

Ich möchte auf keinen Fall ausschließlich die europäische Musikkultur nach Burkina Faso bringen, sondern ich versuche, die beiden Kulturen zu verbinden. Oft spielen meine Schüler leichte, klassische Stücke auf der Geige, die vom Klavier und einer Djembé begleitet werden: europäische Melodien treffen auf afrikanische Rhythmen, lernen einander kennen und verweben sich zu dem einzigartigen Klang, der bis heute hin das Orchester der Musikschule, Kamba de

A.M.E.M. auszeichnet.

 

Es ist erstaunlich und wunderbar zugleich, zu beobachten, wie die Musik die Augen der Kinder zum Leuchten bringt und aus einer kleinen, schüchternen Sechsjährigen, die nur mit Mühe ein Wort über die Lippen bekommt, jemand wird, der weiß, was er will und nun eine Spur selbstbewusster durchs Leben gehen kann.

Selbstbewusstsein ist vor allem für die Mädchen in der patriarchalischen Gesellschaftsstruktur Burkina Fasos eine ungemein wichtige, wenn auch nur selten geförderte Eigenschaft, denn man braucht Kraft, um sich in einer von Männern dominierten Welt nicht unterkriegen zu lassen.

Festzustellen, dass sie etwas wert sind, dass sie etwas Besonderes leisten können – wie zum Beispiel Geige spielen – ist eine Erkenntnis, die ihnen niemand mehr nehmen kann.

 

Das Projekt lebt von den Spenden des Förderverein der Musikschule Ouagadougou A.M.E.M e.V. (Sitz in Detmold). Mit Ihrer Unterstützung wird die Musikschule stetig weiter wachsen, sich entwickeln und noch vielen, vielen Kindern und Jugendlichen diese einzigartigen Erfahrungen ermöglichen können.

 

- Maria Behrens

Gründerin der École de Musique und 1. Vorsitzende des Fördervereins der Musikschule Ouagadougou A.M.E.M. e.V.